Jörg Herwig im "Hardthöhen-Kurier" (Ausgabe 03/2019): Warum Deutschland das Mehrzweckkampfschiff dringend braucht

Das grundlegende Prinzip der NATO als Verteidigungsbündnis ist die Lastenteilung. Vor genau 70 Jahren entschieden sich eine Reihe von Staaten, die Aufgabe der Friedenssicherung in der Welt auf mehrere Schultern zu verteilen. Deutschland trat dem sogenannten Nordatlantikvertrag 1955 bei – und rückblickend lässt sich dies als glückliche, kluge und weitsichtige politische Entscheidung bewerten. Denn nie zu vor in der Geschichte hat unser Land eine so langewährende Friedensperiode erlebt. Doch ausgerechnet heute, in Zeiten vieler Konflikte und Krisen auf der Welt, tut sich Deutschland schwer damit, die Lasten der Sicherheit weiter entschlossen mitzutragen: Der Bundeswehr fehlt es an Gerät, um den Bündnispflichten vollends nachkommen zu können.

Mit dem Bau des Mehrzweckkampfschiffes 180, kurz „MKS 180“, hat Deutschland jetzt die Chance, zumindest seine Marine grundlegend zu modernisieren und diese für die aktuellen und zukünftigen Gefährdungen zu wappnen. Das MKS 180 übertrifft die bereits im Dienst der Deutschen Marine befindlichen Schiffe in Variabilität und Einsatzfähigkeit deutlich. Noch in diesem Jahr soll die Vergabe für das größte Marineprojekt der deutschen Nachkriegszeit entschieden werden.

Doch was macht dieses Schiff so besonders? Das MKS 180 wird in der Lage sein, Ziele in der Luft, an Land sowie über und unter Wasser zu bekämpfen. Ob das Überwachen von Seegebieten, die Bekämpfung von Piraterie, humanitäre Hilfe, das Durchsetzen von Waffenembargos oder die Unterstützung von Spezialkräften und Evakuierungsoperationen – für all diese Aufgaben wird das neue Schiff ausgelegt sein. Eine wesentliche Innovation wird die Erweiterbarkeit sein. Durch die Einrüstung von Missionsmodulen zum Beispiel für die Uboot- Jagd oder Minenabwehr kann das MKS 180 jederzeit an unterschiedliche Einsatzaufgaben angepasst werden. Zudem soll das MKS 180 bis zu zwei Jahre kontinuierlich in einem Einsatzgebiet operieren können.
Technologisch ist dieses Schiff ein riesiger Schritt nach vorne. Und genau deshalb ist es ganz entscheidend, dass deutsche Unternehmen mit dem Bau beauftragt werden. Denn nur durch die Beteiligung an solch herausfordernden Projekten kann Deutschland seine technologische Kompetenz im Marineschiffbau weiterentwickeln.

Zurzeit verfügt Deutschland angesichts der sich zunehmend verschärfenden sicherheitspolitischen Weltlage über zu wenig Schiffe, die neben den umfangreichen Einsatzverpflichtungen auch noch eine glaubhafte „Power Projection“ umsetzen können. Die Mitte der 90er Jahre in Dienst gestellten Fregatten der Klasse F123 kommen zunehmend in die Jahre und die hochspezialisierten AAW-Fregatten der Klasse F124 sind nicht wirklich für langfristige Operationen niedriger bis mittlerer Intensität geeignet. Die Fregatten F125 sollen vor allem Stabilisierungseinsätze unterstützen und die Korvetten K130 wiederum sind eine Ergänzung der Fähigkeiten der Fregatten und vor allem für kleinere Einsätze in Randmeeren und Küstennähe geeignet. Angesichts der geänderten Einsatzrealitäten, wo insbesondere ein skalierbares und durchhaltefähiges Waffensystem für den weltweiten Einsatz gebraucht wird, wird das MKS 180 daher dringend benötigt.

Allen Verlautbarungen nach will Deutschland international mehr Verantwortung übernehmen. Damit erneuert die Bundesregierung automatisch die Verpflichtung von 1955, die Lasten im Nordatlantischen Bündnis mitzutragen. Denn der Frieden in der Welt lässt sich nicht allein mit diplomatischen und humanitären Mitteln sichern. Einsätze der Deutschen Marine in Friedensmissionen gibt es bereits zahlreiche. Mit dem MKS 180 wird Deutschland jedoch im Bündnis eine Führungsrolle auf dem Meer übernehmen und damit einen ganz wesentlichen Beitrag zur Friedenssicherung in der Welt leisten können.

Jörg Herwig

CEO GERMAN NAVAL YARDS KIEL GmbH

 

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